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Als Weinstube existierte die "Schoppenstube" bereits seit 1923. Damals gab es allerdings weder eine Kellerbar, noch eine Tanzfläche. Ein großer, noch vorhandener Kachelofen sorgte (bis 1994 übrigens!!!) für mollige Wärme, während die Damen und Herren der Goldenen Zwanziger den guten Schoppen Wein genossen. Es wird davon ausgegangen, dass in der heutigen Kellerbar die verschiedensten Rebsorten in Flaschen und Fässern lagerten.

Seit Anfang der 50'er Jahre wurde die Weinstube von der HO (Handelsorganisation in der damaligen DDR) übernommen und unter dem neuen Namen "Schoppenstube" geführt. Mit Beginn der 60'er wurde die "Schoppenstube" Anlaufstelle von schwulen Gastronomen im Osten Berlins. Und das hat auch seinen Grund: die damalige Ostberliner Szene verlagerte sich mehr und mehr von der Friedrichstraße nach Prenz'l Berg. Denn die damaligen Szenekneipen in Berlins Mitte wurden geschlossen oder zu "Intershops" umgebaut. Fortan trank man nach der Arbeit sein Glas Bier oder seinen Schoppen Wein im "Café Schönhauser", im "Café Senefelder", in den "Alt Berliner Bierstuben", im "Burgfrieden" oder eben in der "Schoppenstube". Ab 1963 fand sich nur noch schwules Publikum in der "Schoppenstube" ein, aber sehr gesittet! Denn wenn sich zwei Männer an den Oberschenkeln fassten, kam gleich ein "Das gibt es bei uns nicht!" Der einzige Tag, an dem man sich tolerant gab, war Heiligabend. Man(n) durfte sich umarmen, einen Kuss geben und man(n) durfte zusammen tanzen.

Die "Schoppenstube" wurde die Nachtbar der schwulen Szene Ostberlins schlechthin. Sie hatte anfangs bis 4.00 Uhr geöffnet und wurde lieb "Haus 1" genannt! So beliebt wie sie war, so verärgert waren auch viele Gäste, und zwar vor der Tür. Denn eine Stunde vor Öffnung standen bereits 20 Leute vor dem Eingang und dies bei jedem Wetter. Da die kleine Bar flugs voll war, reihten sich weitere wartende Gäste in die Schlange vor der Tür ein. Wo sollten sie auch hin? Wolfhard erinnert sich: "Wie oft haben die Leute dann hinten am Tresenfenster geklopft und bemängelt, dass sie nicht rein kamen. Und das nur, weil sie dem Türsteher keine zehn Mark in die Hand gedrückt hatten! Ich habe sie dann hinten rein gelassen." Die letzten Gäste gingen erst, als der gegenüberliegende Currywurststand "Konnopke" öffnete. Und das war um 5.00 Uhr! Kurz entschlossen richteten sich die Öffnungszeiten der "Schoppenstube" nach "Konnopke"! Von 23.00 Uhr bis 6.00 Uhr.

Die Bar platzte aus den Nähten und Platz musste her! Der hintere Raum wurde 1979 zur "Kleinen Bar" umgebaut. Doch noch immer war Platznot! 1982 wurde eine weitere Bar im Keller (!) eröffnet, die heutige "Kellerbar"! Bestehend aus einem Rückbuffet, einem kleinen Tresen in U-Form, um den ca. 10 Barhocker standen. Viele Gäste erinnern sich noch heute an Helga & Erich. Und wer die beiden nicht kannte, kannte zumindest die Toilettenfrauen Inge & Irmchen, die die Seelsorger des Hauses waren. Wer nämlich musste, musste an Ihnen vorbei und erzählte das eine oder andere Wehwehchen ... und erfuhr, ob man(n) mit dem oder jenen konnte oder nicht.

Ende der 80'er Jahre war die "Schoppenstube" neben dem "Burgfrieden" auch Filmkulisse für den von Heiner Carow regiegeführten DDR Film "Coming Out". Genau an 9. November 1989 hatte dieser Film Premiere und wurde 1990 mit dem "Silbernen Bären" (Preis beim Internationalen Filmfestival Berlin) ausgezeichnet. Nicht zuletzt für seine empfindliche Art und Weise mit dem Thema "Coming Out" und das Schwulsein umzugehen, sondern auch wegen dem Ausdruck des tiefen Respekts für menschliche Rechte, Toleranz und vor allem Menschlichkeit.

"Ich möchte die Zeit nicht zurückdrehen ..." so Wolfhard, "... aber es ist doch vieles anders geworden. Die Zeit vor der Wende war bei den Schwulen geprägt durch mehr Zusammenhalt ... Heute sind sie viel verkrampfter. Nicht mehr so offen. Jeder will schöner sein, als der andere, man(n) ist eben cool!" Nachdem Wolfhard 1994 die "Schoppenstube" übernahm, wurde sie erst einmal aufgefrischt. Ein neuer Farbanstrich und die teilweise neue Innenausstattung machten die Bar attraktiver. Aus der "Kleinen Bar" wurde ein Billardraum und die kleine Tanzfläche im Vorraum wurde in den Keller verlegt, da dieser vergrößert wurde. Die Kellerbar bekam nun eine hauseigene Diskothek und die Gäste der "Schoppenstube" wurden just for fun zu selbsternannten DJ's. In den vergangenen Jahren legten insgesamt mehr als 10 DJ's auf! Eine kleine Lichtanlage sorgt zusätzlich für das richtige Discofeeling auf einer der kleinsten Discoflächen überhaupt. Mit einer Fläche von 15 qm ist Haut- und Blickkontakt garantiert. Und für die, die schnell mal etwas mehr wollten, wurde 1998 der Billardraum zum Darkroom umgebaut. Die "Schoppenstube" öffnete nun von 22.00 Uhr bis open end!

1999 war es dann so weit. Die "Schoppenstube" drang in das Computerzeitalter ein und ging online. 2002 entschied man sich, den Darkroom wieder zu zumachen. Nun überlegen Wolfhard, Jörg und die Gäste der "Schoppenstube", wie man diesen Raum sinnvoll gestalten kann. Denn letztendlich sollen sich die Gäste weiterhin wohlfühlen.

Dieses Design hatte unsere Homepage damals

Viele Generationen trafen und treffen sich noch heute. Das Publikum von Tweenty bis Daddy Cool, vom Neueinsteiger bis Stammgast, Studenten und Geschäftsleute, Gastronomen und Schauspieler schätzen die Atmosphäre und das einzigartige Ambiente. Die Zeitzeugen dieser Nachtbar wurden auf einer wunderbaren und liebevollen Art miteinander vermischt. Ja, man kann die Geschichte der "Schoppenstube" in der "Schoppenstube" lesen. Angefangen vom Kachelofen aus den 50'ern und dem alten "Bacchus-Fries" aus den 70'ern, über die eigentliche Bar und dem Tresenraum aus DDR-Zeiten, bis hin zur neuen Kellerbar mit Diskothek.

Leider gibt es die anfangs erwähnten beliebten und alten Lokale der Ostberliner Szene nicht mehr; sie wurden in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichsten Gründen geschlossen. Das "Café Schönhauser" schloss im April 1999, das "Café Senefelder" im Juni 2000, die "Alt Berliner Bierstuben" schloss 1999 und der "Burgfrieden" im Januar 2000. Doch soll an dieser Stelle auch erwähnt werden, das enorm viele in "Prenz'l Berg" eröffneten.

Am 17. Mai 2008 feierte die "Schoppenstube" ihren 45. Geburtstag, eben ...

die älteste Gaybar in Berlin und trotzdem

YOUNG & BEAUTIFUL!


© 2003 R. Rohr Mit freundlicher Unterstützung von Wolfhard Zehe